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Herr Schröder hat einen Höhenflug

… oh, diese Höhe … das hatte sich Herr Schröder aber ganz anders gedacht. Hoch, ja … aber sooo hoch? Wie soll er denn hier jemals weiter heil herunter kommen?

Und warum hat er sich überhaupt erst hier rauf gewagt? Alle haben davon gesprochen, wirklich alle. Wie toll das ist, hier in den City-Arkaden richtig hoch über diesen Parcours zu klettern.

Und dann erst dieses Video auf Facebook, da wird ja gleich ein ganzer Kletterdurchgang gezeigt.

Herr Schröder hat den Fehler gemacht, sich das Ganze anzuschauen, während er in der Schlange wartete, bis er dann endlich dran war. Seine Einkäufe musste er natürlich abstellen.

„Alles klar bei Ihnen?“, fragte dann auch prompt die freundliche Helferin des Parcours-Teams. „Äh ... ja ja ...“, antwortete er und steckte das Handy weg.

Nein, gar nichts klar, ich hab Schiss, und ich will weg, und überhaupt!, wollte Herr Schröder am liebsten rufen.

Hat er aber nicht, dafür wackelt er jetzt hier wer weiß wie viele Meter über dem Erdgeschoss über so eine Art Stahlweg, der aussieht wie eine liegende Leiter.

Gut, dass die Karabiner so stabil sind. Das haben die hier echt gut gelöst, denkt er, klar, muss ja auch: Man kann immer nur einen Karabiner lösen, wenn man vorher den anderen festgemacht hat.

Abstürzen ausgeschlossen.

Aber allein dieses Wissen rettet Herrn Schröder jetzt auch nicht. Er zittert sich zum nächsten Podest, schließt kurz die Augen. Geschafft. Aber dann: Was ist das denn bitte? Dieser nächste Weg besteht nur aus wackeligen Brettern, die mit Seilen verbunden sind? Herr Schröder sieht sich schon baumeln. Ja, er wird abrutschen, und er wird baumeln, baumeln in den City-Arkaden, baumeln in ist auch egal wie vielen Metern Höhe, baumeln, während unter Garantie gleich unten der dicke Kröger mit seiner Frau vorbeispaziert, baumeln, während er ihr zuruft: Na guck, der irre Schröder wieder. Ja, er wird ... ankommen! Denn nichts ist passiert. Er hat es geschafft, wieder, steht auf dem nächsten Podest. Er ist irgendwie einfach gegangen, hat sich wacker festgehalten und nur nach vorn geschaut.

Was jetzt? Nur wie ein herunterhängendes U, nee, ist klar. Na komm, auch schon egal, also lo ...

„Ti-him! Hallo! Ti-him! Du bist aber mutig!“

Oh nein: Seine Frau Julia. Die wollte doch in der Thalia stöbern, dann ins Reformhaus Bacher, dann noch zu Hunkemöller, dann noch ... und jetzt steht sie da und winkt. Und ruft. Und ihm rutscht das Herz in die Hose.

Er winkt zurück, wackelt dabei bedenklich, fängt sich wieder.

Musste sie rufen? Alle gucken.

Und Herr Schröder spürt plötzlich, wie alles von ihm abfällt. Sicher, das Herz pocht immer noch bis zum Hals. Aber alles andere blendet er jetzt mal aus. Er schreitet über die Seile, Schritt für Schritt, Meter für Meter, hoch, weit, mutig ... und da ist er, am nächsten Podest. Keine Frage: Das zieht er jetzt durch.

Er hat keine Ahnung, wie viele Wackler später er ankommt. Nassgeschwitzt, erschöpft, glücklich.

„Ja, Tim, ja!“, ruft seine Frau, „du bist mein Held!“ Ihre Schreierei schallt quer durch die Arkaden. Gut, das könnte sie sich jetzt sparen, es gucken wieder alle, das Parcours-Team guckt ein bisschen mitleidig, aber was soll’s.

Herr Schröder lächelt entspannt, zieht den Helm aus und den Karabinerhaken ab und ruft: „Danke Julia! Und jetzt du!“

Ach wenn doch alle sehen könnten, wie seiner Frau jetzt alles aus dem Gesicht fällt.

 

 

Foto:mihi, Fotolia